Hamburgs U-Bahnhöfe: Die Durchmesserlinie
Update 24. Juni 2008


und 
Hamburger-Untergrundbahn.de 
präsentieren:

Bunker Hachmannplatz
in der Station Hauptbahnhof Nord

Wenn man vom Schauspielhaus zur U-Bahn möchte, geht man durch einen Gang, der von der Kirchenallee in die Vorhalle des U-Bahnhofs führt. In diesem Gang fallen zwei schwarze Metall-Lamellen-Türen auf. Sie bilden den Zugang zu einem Hamburger Zivilschutzraum, der 1400 Personen Schutz bieten kann. 

Treten wir doch mal ein...


Zunächst muss man die so genannte "Dosier-Anlage" passieren.

Hierbei handelt es sich um eine zweiflügelige Tür, wobei einer der Türflügel arretiert werden kann. Die Kanten der beiden Türflügel sind mit schwergängigen aber beweglichen abgerundeten Blechen versehen. Das zweite Türblatt, ebenfalls aus schweren Metall, ist mit einer hydraulischen Mechanik verbunden und kann von einem separaten Raum aus durch einen Bunkertorwart bedient werden. Bei panischen Andrang durch Schutzsuchende, kann diese Tür langsam aber sicher derart verengt werden, dass nur einzelne Personen in das Bunkerinnere gelangen können. Bei voller Belegung kann diese Tür auch vollkommen verschlossen werden. Die runden Kanten nun sorgen dafür, dass sich, trotz großem äußeren Andrang, niemand ernstlich verletzt. Der Bunker-Torwart kann die Dosier-Anlage aus gutem Grund nicht einsehen.

Um zu ermitteln, wann der Bunker voll belegt ist, wurde in den Fußboden der Dosier-Anlage eine Trittplatte eingelassen, die mit einem Zählwerk verbunden ist.

Nach Passieren der Dosier-Anlage betritt man den Vorraum, der von einer hydraulischen Stahltür begrenzt wird. Hinter dieser Stahltür befindet sich die Druckschleuse, die durch eine zweite gleichartige Stahltür gesichert ist.

Die Drucktüren sind nach außen gewölbt, um formstabil zu bleiben, falls es in nächster Nähe zu einer Explosion kommen sollte.

Ein Aufenthalt in den gelb-schwarzen Bereichen kann lebensgefährlich sein, da die Türen hydraulisch angetrieben werden und sich unvermittelt öffnen oder schließen können. Auch der Verriegelungsmechanismus ist hydraulisch steuerbar. Die beiden Tore aber sind mittels eines kleinen druckfesten Fensters und mit Spiegeln vom Bunkertorwart einsehbar.

Erst nach Passieren der zweiten Drucktür befindet man sich im Inneren des Bunkers.

Insgesamt verfügt der Bunker über vier derartige Zugänge, die von zwei Bunkertorwarten bedient werden können. Der Wart hat seinen Bedienraum räumlich zwischen den Zugängen. Durch die vier Zugänge, die paarweise dem Bauwerk gegenüber liegen, ist sichergestellt, dass mindestens ein Zugang noch passierbar ist, auch wenn die anderen Zugänge, etwa durch Bombentreffer, verschüttet sein sollten.


Ein Sitzraum

Die Aufenthaltsräume werden als Sitz- und Liegeräume genutzt, wobei auch auf den Gängen derartige Sitze angebracht sind. Sie sind aus Pressholz (vergleichbar den alten Straßenbahnsitzen) und als Klappsitze konstruiert. Über jedem Sitz befindet sich eine Kopfstütze aus Schaumgummi, so dass es möglich ist, auf diesen Sitzen auch zu schlafen. Zusätzlich gibt es in den Sitzräumen über den Sitzen Gepäckablagen.


Jeder Schutzsuchende bekommt eine Grundausrüstung für den täglichen Bedarf, bestehend aus:
Einer Plastikschüssel, einem eingeschweißten Metall-Löffel, einem Trinkbecher, zwei Rollen Klopapier (je 400 Blatt), einer Plastiktüte, einem Handtuch aus Stoff, einem Stück rückfettende Hautschutzseife und einer eingeschweißten Reisedecke.

Durch einen Umstand war ich in diesem Bunker für etwa eine Stunde eingeschlossen - ist ne komplizierte Geschichte, möchte ich Sie nicht mit langweilen. Aber das waren gewissermaßen Realbedingungen, denn ich wusste, ich komme hier jetzt nicht raus. Es ist da unten sehr leise, man hört entfernt Stimmen und Schritte der vorbeigehenden Passanten im U-Bahnhof und alle paar Minuten fährt eine U-Bahn unter dem Bunker hindurch - jawoll, die U2 wurde damals unter dem Bunker hindurch gebaut. Vom Straßenlärm oben auf der Kirchenallee bekommt man nichts mit.

Das Bauwerk besteht aus zwei Ebenen, wobei im oberen Stockwerk die Zugänge sind. Unten befinden sich die technischen Bereiche und natürlich auch weitere Sitz- und Liegeräume.

Der Bunker entstand um 1940/41 im Rahmen des Bunkerbauprogramms während des 2. Weltkriegs. Er ist der kleinere von zwei Bunkern in Bereich des Hauptbahnhofs und war vornehmlich für Durchreisende gedacht. Damals aber war dies lediglich ein reiner Schutzraum ohne ABC-Ausstattung. Nach dem Krieg sollte der Bunker eigentlich gesprengt werden, doch wurde er in den ersten Nachkriegsjahren als Notunterkunft genutzt, was ihn vor der Zerstörung bewahrte. In späteren Jahren war er ohne Funktion. In Zeiten des Kalten Krieges wurde ein neues Bunkerbauprogramm durchgeführt, wobei auch bestehende Anlagen wieder ertüchtigt werden sollten. So wurde dieser Bunker 1965 umgebaut und erweitert. In diesem Zusammenhang erhielt er seine ABC-Ausrüstung. Der Zugang erfolgte nun durch den damals entstandenen neuen U-Bahnhof Hauptbahnhof-Nord, wobei die U-Bahntunnel unter dem Bunker hindurch gebohrt wurden - ein Grund, warum die Station so tief liegt.

Im Februar 1968 wurde der Bunker in seiner neuen Form an die Stadt übergeben. Nur selten wurden seither Funktionsprüfungen durchgeführt. Bis auf kurze Zivilnutzungen um 1989 und 1999 war dieser Bau ohne jede Funktion. Lebensmittel werden hier nicht gelagert, die sind im Krisenfall herbei zu schaffen.


Die Liegeräume werden umschichtig genutzt.

Damit die Anlage autark betrieben werden kann, gibt es eine Notstromversorgung mittels eines Dieselmotors, der einen Generator antreiben kann. Dieser Schiffsdiesel befindet sich im unteren Stockwerk im Technikbereich. Zusätzlich gibt es dort Luftfilteranlagen, die dafür sorgen, dass radioaktiv kontaminierte Luft zum Atmen gereinigt zugeführt werden kann. Hierzu gibt es diverse Sandfilter. Die gesamte Anlage kann im Krisenfall unter einen gewissen Überdruck gesetzt werden. Dies ist nötig, damit keine kontaminierte Luft durch eventuelle Gebäuderisse und Undichtigkeiten eindringen kann. Trinkwasser kann in Tanks eingelagert werden, wobei es zusätzlich einen Tiefbrunnen gibt.


Das Notstromaggegat


Mit dieser Kompressor-Anlage konnte im gesamten Bunkerinneren ein leichter Überdruck aufgebaut werden. Seit Juli 06 wird die Anlage technisch nicht mehr gewartet, daher ist das Einschalten untersagt.


An der Wand einige Instruktionen im Falle eines ABC-Angriffs

Schnellschlussklappen sollen verhindern, dass Explosions-Druckwellen in das Bunkerinnere gelangen können.


Neben dem Technikbereich befindet sich das Büro des Bunkerwarts. Er ist für Sicherheit und Ordnung im belegten Bunker zuständig und hat in jeder Form das "letzte Wort".


Steuerpult zur Bedienung der hydraulischen Tore in den Zugangsschleusen. Die über dem Pult befindliche Sprechanlage dient für Mitteilungen und Hinweise an die in den Schleusen und Zugängen befindlichen Personen.

Die Steuermechanik ist so konstruiert, dass sich immer nur eine der beiden Drucktüren bedienen lässt, nie beide zugleich.

Der Bunker-Torwart kann durch ein kleines Fenster mit Panzerglas die Zugangsschleuse einsehen, nicht aber die Dosieranlage: Bei der baulichen Konstruktion wurde darauf geachtet, dass der Bunker-Torwart keine Sichtverbindung zur Dosier-Anlage erhalten kann, damit er auf Anweisung handeln kann und dies auch tut, auch auf die Gefahr hin, dass sich im Zugangsbereich ein naher Angehöriger des Bunkertorwarts befinden könnte.

Der Bunker war 1968 nach geltenden Sicherheitsrichtlinien als Atomschutzbunker gebaut worden. Dies bedeutet nicht, dass dieser Bau einen direkten Atomangriff heil überstehen würde. Dazu liegt er viel zu nah unter der Erdoberfläche. Er ist lediglich gegen Strahlung und Kontamination durch ABC-Waffen sicher.

Als dieser Schutzraum entstand, herrschte Kalter Krieg und man hielt es durchaus für möglich, dass einer der Machtblöcke die Nerven verlieren könnte. Dies war der Versuch, zumindest für einen winzigen Anteil der Hamburger Zivilbevölkerung sichere Plätze bieten zu können - zumindest für 14 Tage oder so lange die nichtverseuchten Vorräte reichen. Was dann kommt, weiß niemand.

Wollen wir froh sein, dass wir in einer Zeit leben, wo man sich über derartige Dinge keine allzu ernsten Gedanken machen muss.

Nach ungefähr einer Stunde, die ich hier allein im Bunker war, war ich froh, die bedrückende Atmosphäre wieder verlassen zu können und freute mich, dass die Sonne schien und die Stadt vollkommen intakt ist. Im Einsatzfall soll der Bunker das Überleben für 1400 Schutzsuchende für 14 Tage sicher stellen - Dann wird die Stadt sicher nicht ganz so intakt sein.

Der Tiefbunker Hachmannplatz wurde 1940/1941 noch vor dem sogenannten Sofortprogramm als Sonderbau errichtet. Das Bauwerk hatte ursprünglich eine Ausdehnung von etwa 32 x 32 x 8,25 m und bot während des Krieges eintausend Schutzplätze, hauptsächlich für Anwohner der östlich des Bahnhofs gelegenen Wohnhäuser. Die Außenwände sind 2,5m stark, die Decke 2,0m, die Sohle des zweigeschossigen Bauwerks 1,5m. Die Zuwegung erfolgte damals über einen Treppenabstieg von der Kirchenallee aus.

Seit dem Umbau 1965-69 hat das Bauwerk durch bauliche Vergrößerung eine Kapazität von 1447 Schutzplätzen. Der Zugang erfolgt heute durch den U-Bahnhof.


Die Lage des Schutzraums innerhalb des Zugangsbereiches der U-Bahnhaltestelle Hauptbahnhof-Nord. Darstellung in der Digitalen Grundkarte Hamburg.

 

Dieses Bauwerk kann hin und wieder besichtigt werden.
Näheres erfahren Sie auf den
Seiten der Hamburger Unterweltler.

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Weitere U-Bahnhöfe, die als Mehrzweckbauwerke dienen können, sind:

Niendorf Markt, Joachim-Mähl-Straße, Schippelsweg, Niendorf-Nord (sämtlich U2), Steinfurther Allee und Mümmelmannsberg (U3) sowie eine Vorhalle im Bahnhof Jungfernstieg. Bei der S-Bahn: Stadthausbrücke und Harburg-Rathaus.