Hamburgs U-Bahnhöfe: Die Walddörferbahn (Großhansdorfer Abzweig)


 

Beimoor

U-Bhf. Großhansdorf <<


Baulich fertig gestellt bis 1918, nie eröffnet, später zurückgebaut


Der Streckenabschluss am Bahnhof Beimoor. Montage: Das längst wieder abgetragene Treppenhaus

Im Juli 1914 beschloss die Hamburger Bürgerschaft nachträglich, den längst begonnenen Bau der Walddörferbahn nicht in Großhansdorf enden zu lassen, sondern gleich weiter zu führen. Die Strecke sollte nun in Beimoor enden, einer Gegend, die zwar zu Hamburg gehörte, aber damals keinerlei Bebauung aufwies. Hamburg plante dort vor dem Ersten Weltkrieg eine Irrenanstalt und Wohngebiete. Der Bau dieser Strecke wurde umgehend in Angriff genommen. Es entstand ein Bahndamm, der etwa einen Kilometer ab Großhansdorf weiter nach Norden führt und zwei Straßen überquert, für die Brücken gebaut wurden. Am Ende des Bahndamms entstand ein serienmäßig ausgestatteter Bahnhof mit Mittelbahnsteig nebst Überdachung, großem Treppenhaus, einer Gleisunterführung mit Wölbdecke und einem Empfangsgebäude. Was die Technik betrifft, so wurden zwei Gleise verlegt, die am Bahnsteig ihr Ende fanden. Gegen 1916 war der Bau abgeschlossen, spätestens 1918 lagen auch sämtliche Gleise.


Eines der sehr wenigen erhaltenen Bilder des intakten Bahnhofs Beimoor aus der Zeit nach dem 1. WK. 
(Sammlung Hans Rehders)

Hinter dem Bahnhof befindet sich eine Straße, die mit zwei einzelnen Brücken überquert werden sollte. An der Straße entstand als Dammabschluss eine Backsteinwand, die diese beiden Brücken aufnehmen könnte. Auf der anderen Seite, wo sich dieser Bahndamm dann fortsetzen sollte, geschah nichts, keinerlei Erdarbeiten und dergleichen. Es gab um 1914 die Überlegung, die Strecke bis zu einem Gelände östlich des Hofes 'Hansdorfer Kamp' weiterzuführen, das etwa einen Kilometer nordwestlich des Bahnhofes Beimoor liegt. Jener Bahnhof sollte möglicherweise „Auekämpe“ heißen und hätte gerade noch auf hamburgischem Gebiet gelegen. Offensichtlich hat es auch dort damals eine Besiedlungsplanung gegeben, die ebenso wie die Beimoor-Bebauung letztlich nicht erfolgte.

Wie bei allen anderen Bahnhöfen der Walddörferbahn geschah auch hier nach der Fertigstellung erstmal nichts, da die elektrische Ausstattung der Strecke noch fehlte. Wenn dereinst die Stadt Hamburg hier die Bebauung in die Wege leiten würde, könnte man sich eine Betriebsaufnahme bis Beimoor durchaus vorstellen. Aber die Geschichte verlief anders: Die Beimoor-Pläne wurden fallen gelassen und das Gelände um diesen weitgehend fertigen Bahnhof blieb unbebaut. Somit gab es für die Hochbahn auch keinen Grund, eine Betriebsaufnahme ins Auge zu fassen.

Um im Jahre 1921 zumindest ein Gleis der Strecke Volksdorf - Großhansdorf elektrifizieren zu können, wurde das komplette zweite Gleis von Ohlstedt und Großhansdorf bis Volksdorf demontiert. Somit konnte 1920/21 der elektrische Zugverkehr aufgenommen werden. Zusätzlich wurden beide Gleise von Großhansdorf bis Beimoor entfernt. Es war damals somit ziemlich sicher, dass mit einer Betriebsaufnahme nach Beimoor so bald nicht zu rechnen sei. Als 1932 in Großhansdorf eine Kehrgleisanlage entstand, stand der Weiterbau nach Beimoor nicht mehr zur Diskussion, erst recht nicht, als Großhansdorf 1937 eine eigenständige Gemeinde wurde. 

In den folgenden Jahrzehnten, vor allem in der Kriegs- und Nachkriegszeit, wurde fast alles wieder beseitigt, was an einen Bahnhof erinnert. Das Bahnhofsgebäude wurde ohnehin durch Sprengübungen der Hitlerjugend bereits in den späten 30er Jahren schwer in Mitleidenschaft gezogen. In der Nachkriegszeit entstand hier ein Behelfs-Wohnhaus, welches Teile der Zugangsbereiche nutzte. Anfang der 70er Jahre brannte dieses Gebäude ab und die Spuren wurden restlos beseitigt.

In den frühen 80er Jahren wurde der Zugangstunnel teilverschüttet und zusätzlich vermauert. Im Inneren überwintern heute Fledermäuse. Der Bahndamm wurde "renaturiert", den Rest erledigte in den vielen Jahrzehnten die Natur selber. Was blieb, war nur der Bahndamm mit den Brückenwiderlagern und den Bahnsteigkanten sowie der vermauerte Tunnel am Ausgang.

Südlich des Bahnhofs fällt der wesentlich breitere Bahndamm auf. Es kann angenommen werden, dass hier eine Abstellanlage mit mehreren Kehrgleisen errichtet werden sollte. Dies erklärt auch, warum das Bauprojekt am Bahnhof mit dem Brückenwiderlager so abrupt endet. Derzeit nicht geklärt ist, ob diese Abstellanlage jemals entstanden ist.

Auch heute noch stehen in der näheren Umgebung kaum Wohnhäuser, es ist heute noch so ländlich, wie 1914. Der Bahndamm ist heute uneingeschränkt ab der Straße Mielerstede nordwärts begehbar. Der südlich anschließende Bahndamm bis zur beginnenden Kehrgleisanlage von Großhansdorf befindet sich in Privatbesitz und ist nur auf einem kürzeren Abschnitt begehbar.


Wäre Beimoor erhalten worden und die Geschichte mit diesem Bahnhof so verlaufen, wie mit den anderen Stationen, sähe es in Beimoor vermutlich heute so aus, wie auf diesem Bild.


Anstatt eines intakten Treppenabgangs vom Bahnsteig gibt es nur eine leichte Erderhöhung, unter der sich die verschütteten Reste der Treppe befinden.


Bahnsteigfragment an einem kalten Januartag


In der Mitte erkennbar: Der einstige Mittelbahnsteig von Beimoor

 


Die westliche Bahnsteigkante


Blick vom Bahnsteig auf den Bahndamm Richtung Großhansdorf


Brückenwiderlager am Damm-Ende nördlich des Bahnhofs


Hätte man die Bahn nach Auekämpe weiter gebaut, gäbe es heute hier am Beimoor-Bahnhof eine Brücke


Der alte Wölbtunnel-Zugang im Vegetationsdickicht: 
An dieser Stelle stand bis nach dem Krieg das Bahnhofsgebäude


Brückenwiderlager an der Straße Mielerstede


Ausblick vom U-Bahnhof. 
Wäre der Bahnhof wirklich eröffnet worden, wären diese Felder sicher längst bebaut.

Luftbild aus rechtlichen Gründen entfernt

Deutlich erkennbar: der Bahndamm mit dem Bahnhof Beimoor, im Hintergrund Großhansdorf, Blick nach Süden
Vogelschau generiert mit
Google-Earth

U-Bhf. Großhansdorf <<

 

>> Externer Link: Beitrag über die Beimoorstrecke in Jans Bahnfotokiste